Sie sind nervös.
Sie versuchen es zu verbergen, aber ich sehe es. Fahrige Hände, gehetzte Blicke.
Es ist ein sonderbarer Zustand, irgendwo zwischen Aufregung und Druck. Lässt uns zweifeln. Zweifel ist eine tückische Form von Schwäche, kann dich urplötzlich überkommen, dich umgarnen, dir Dinge zuflüstern. Lass das, warum tust du dir das an? Geh. Doch. Einfach.

Das Licht geht nicht aus – die Scheinwerfer gehen nicht an. Roh, ungeschönt und provisorisch müssen wir spielen. Wer ist laut, lauter, am lautesten?
„Was?“ Mein erstes Wort. „Wo denn?“ Mein zweites, drittes Wort. „Ein Licht?“ (verächtlich). Wer ist emotional, emotionaler, am emotionalsten?

Meine Gesten zu lasch, meine Wörter zu rasch. In der Theorie doch immer noch besser als in der Praxis. Doch wenn’s bei mir nicht klappt dann…  Hallo, süße Freude, hast du’s auch bemerkt? Sie hat genuschelt, er gezittert, sie gehaspelt.

Weil alles anders ist, wenn’s drauf ankommt.
Unbeeindruckt, selbstbewusst ist der Nächste. Aber Hände klatschen nicht gerne. Perfektion gefällt bloß dem unter uns, dem sein Ziel gleichgültig ist.
Ich bin hier wegen des Zieles. So lang gewartet, fast vergessen und dann erinnert! Wunschgedanken überall, sorgfältig aufgehoben im Kopfkissen.

Achtung! Nun, das Ende. Hat’s gefallen, gelangweilt, beeindruckt? – Wer seid Ihr, das zu entscheiden?
Es lässt mich treiben im Wasser, kein oben, kein unten, kein rechts, kein links. Meinen Weg bestimme nicht ich.
Schwerelos dahin driften, glückselig über das Ende, enttäuscht über das Ende. Wer ertrinkt heute?

Vergesst es, ich steig aus – wollt‘ doch eh nie zu dem Casting.

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8 Kommentare zu „Morgen

  1. Man rätselt und rätselt und wenn du einen am Ende erlöst und man es sich nocheinmal durchliest macht es traurigerweise Sinn.
    Wunderschön.

    Ob sich der Weg lohnt weiß man erst wenn man aufgebrochen ist.

    LG Luna

    Gefällt 1 Person

  2. Als Musiker mit Bühnenangst kommen mir all diese Gefühle richtig bekannt vor. Das ewige Problem als Künstler – wann hat man tatsächlich das letzte Mal etwas getan, was man auch selbst tun wollte? Wie oft fühlt man sich (vollkommen zu unrecht!) plötzlich unzulänglich, weil man auf einmal anfängt, sich zu fragen, ob man den anderen genügt? Das hast du sehr schön mit wenigen Zeilen einfangen können. Dein Blog gefällt mir echt gut.

    Gefällt 1 Person

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