Ich teste, flüstere die Worte, schaue wie sie sich anfühlen.
Und ich merke, dass der Augenblick verstrichen ist, die Chance vertan. Weiß, dass es zu spät ist für so vieles und beschäftige mich so lange mit diesem Gedanken, dass ich vergesse, dass ich auch jetzt noch Dinge machen könnte, Dinge ändern könnte.

Über die Faulheit, das Verschieben auf später, Vertagen auf Morgen. Wieder zu wenig geschlafen, doch rede mir ein, dass es vollkommen reicht.

Erstaunlich, wie viel Arschtreten es kostet, die Wäsche aufzuhängen.

Eine Bewerbung abzugeben.

Eine Bewerbung zu schreiben und sie abzugeben. Starre auf den goldenen Knopf der Klingel. Bewege meine Hand darauf zu und ziehe meine Finger im letzten Augenblick zurück. Noch einmal durchatmen. Noch einmal durchgehen. Szenarien, die in Sackgassen enden. Ich klingele, die Tür surrt. Ich ziehe sie auf, sie ist schwer und groß. Fühle mich klein und schwach. Sage zu oft auf „eigentlich suchen wir keine Praktikanten und nehmen auch keine“, dass ich es trotzdem gern versuchen möchte. Langsam wird es unangenehm. Überwindung, Überwindung ist mein Mantra. Standhalten! Verstehe ihre höflichen, aber bestimmten Versuche mich abzuwimmeln, ignoriere sie aber. Schiebe ihr noch meine Mappe unter, ich würde mich freuen von Ihnen zu hören. Ja, die können Sie da lassen, aber zu 98% kann ich Ihnen sagen, dass es nicht gehen wird. Gut, das  ist schon mal besser als 99%, denke ich. Wiedersehen.

Als ich die Stufen herunter schreite, schäme ich mich schon für mein Bewerbungsschreiben. Es musste kreativ sein, Sätze wie „ich bin nicht flexibel“ oder „ich bin nicht teamfähig“ kommen darin vor. Gefolgt von „Denn nur wenn ich alles allein machen kann, kann ich mir sicher sein, dass es gut wird.“  Habe dies meine „große Selbstreflexion“ genannt und hoffe, dass sie den Witz darin sehen und nicht eine hoffnungslos eingebildete junge Eigenbrötlerin.

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Ein Kommentar zu „Überwindung

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