Ein typischer Sonntagnachmittag

Ich liege auf dem Küchenboden und fühle mich furchtbar allein. An dem Tisch neben mir stehen vier Stühle, von denen drei Plätze leer sind, den Vierten kann ich aus meiner Perspektive nicht sehen, aber als ich vor fünf Minuten das letzte Mal nachgeschaut habe, saß auch da niemand. Ich überlege, meine Wohnung zu verlassen, aber ich weiß, dass vor der Tür auch nur der Hausflur wartet. Dann höre ich es plötzlich an der Tür klingeln. Ich springe auf, ziehe mein Kleid zurecht, durchquere die Wohnung und reiße die Tür auf.
Doch alles, was mich da so frech angrinst, ist gähnende Leere. Wir starren einander an und sie schüttelt fast unmerklich ihren Kopf.
„Ich dachte du wärst jemand, den ich kenne“, sage ich, weil man schon etwas sagen muss, wenn man sich so direkt gegenüber steht.
„Ich schüttle nicht meinen Kopf, ich besitze gar keinen und reden kann ich schon gar nicht“, sagt sie nur. Und dann sage ich nichts mehr, sondern schließe die Tür.

Einbildung. Da draußen vor der Tür ist niemand – und am liebsten hätte ich mit ihm getauscht.

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schaue nach oben, weil man das so macht, wenn man eine höhere Macht anspricht. Ich kann auch nicht erklären, warum die sich gerade im Himmel befinden soll – oder an meiner Zimmerdecke, fest steht nur, dass an meinem Zimmerboden ebenfalls niemand ist, der nach langem Bart und Flip Flops aussieht.
Was zuvor Aufregung war, ist nun Stillstand, ich lausche dem Wummern meines Herzens, und meine Gedanken hören langsam auf zu tanzen, stattdessen marschieren sie entschlossen in eine Richtung, sind treue Soldaten meines Textes, der mir eine Lösung bietet, die so offensichtlich ist, dass ich sie bisher übersehen hatte.
Ich greife zum Telefon und rufe meine Freunde an.

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