Hinterzimmerwahrheit

Mein Vermieter war tot, noch bevor er sich umbringen konnte.

Das hatten mir zumindest die wispernden Damen aus dem Erdgeschoss erzählt. Ich heuchelte ein wenig Trauer, genau wie die alten Damen, und dann gingen wir zusammen ins Hinterzimmer und stießen darauf an, dass wir keine Miete mehr zahlen müssten. Bald darauf klopfte Realität an, ganz lieb war sie. Sie konnte uns nicht in die Augen schauen als sie erwähnte, dass der Vermieter einen Nachfolger haben werde, an den wir sehr wohl Miete zahlen müssten. Doch wir luden Realität auf drei, vier Gläser Sekt ein, und bald war auch sie der Meinung, das mit der Miete habe sich erledigt.

Danach war ich ziemlich damit beschäftigt, nicht mein Billy-Regal aufzubauen. Ich hatte es nicht bei Ikea gekauft, zu dem ich letzte Woche nicht hingefahren war, und hatte so keine Zeit, mir zu überlegen, ob ich der Sitte wegen doch noch meine Miete überweisen sollte. Ich entschied mich nicht, und wenn man sich nicht entscheidet, braucht man auch nicht handeln. Die Miete ist auf meinem Konto ganz gut aufgehoben, es wäre grausam, sie von dem nicht für den Strom bezahlten Geld zu trennen.

©leoxless

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